Mittelständische und Familien-Unternehmen: Krisenbewältigung mittels Strategischer Business Transformation (Teil 1)

Situationsanalyse

Die einmalige Stärke der deutschen Wirtschaft gegenüber anderen Ländern beruht auf ihrer mittelständischen Unternehmens-Struktur, denn mehr als 99 Prozent der Unternehmen zählen zum Mittelstand. Er stellt über 80 Prozent der Ausbildungs- und knapp 60 Prozent aller sozial versicherungspflichtigen Arbeitsplätze. Er umfasst traditionsreiche große Familienunternehmen, Handwerksbetriebe, Freiberufler und Selbständige, Start-ups und viele heimliche Weltmarktführer in ihren Märkten. Ein starker Mittelstand bedeutet auch eine starke Wirtschaft.

Auch bereits vor Corona gab es erste deutliche Signale einer Rezession, die Strukturen, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstandes bedrohten. Mit Corona als eine Art von Brandbeschleuniger sind viele mittelständische Unternehmen heute in ihrer Existenz unmittelbar gefährdet. Immer noch verhindern staatliche Maßnahmen und eine fehlende kritische Selbsterkenntnis der Verantwortlichen einen offenen Ausbruch der Krise.

Als besonders krisenfest dieser mittelständisch geprägten Wirtschaftsstruktur Deutschlands galt von jeher das Familienunternehmen, oft mit einer großen Tradition und im ländlichen Raum verhaftet.

Die Stiftung Familienunternehmen kommt 2019 zu folgenden aktuellen Definitionen und Fakten: 90 Prozent aller deutschen Unternehmen sind familienkontrollierte Unternehmen. Sie befinden sich im Eigentum einer Anzahl natürlicher Einzelpersonen, wobei Eigentum und Leitung nicht übereinstimmen müssen. Sie erzielen 52 Prozent der Umsätze und stellen zirka 58 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland.

Eigentümergeführte Unternehmen: Sie sind im Eigentum von natürlichen Personen und wenigstens einer der Eigentümer hat gleichzeitig die Leitung inne – 86 Prozent des gesamten Unternehmensbestands sind eigentümergeführte Unternehmen, 53 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland arbeiten hier. Eigentümergeführte Familienunternehmen tragen 47 Prozent zum deutschen Gesamtumsatz bei.

Familienkontrollierte Unternehmen wiesen 2017 einen Umsatz von 2,8 Billion Euro und eigentümergeführte Unternehmen einen Umsatz von 2,5 Billion Euro auf. Die familienkontrollierten Unternehmen erwirtschaften damit rund 45 Prozent des Gesamtumsatzes aller Unternehmen der hier einbezogenen Wirtschaftszweige und 52 Prozent des Umsatzes der Privatunternehmen.

Das Familienunternehmen hat somit eine besondere Bedeutung für den Standort Deutschland, auch in der Krise.

Für die hohe Krisenfestigkeit der Familienunternehmen ist immer wieder eine Vielzahl von Faktoren angeführt worden, die sich besonders im Vergleich zu Unternehmen anderer Eigentumsformen bewährt haben:

In erster Linie wird immer wieder das langfristige Denken angeführt. Das Denken und Handeln von Familienunternehmen findet in Zeiträumen von Generationen anstelle von Jahren statt. Es gilt das Unternehmen für nachfolgende Generationen zu sichern. Stark in der Krise macht auch daraus folgend die Tatsache, dass Ziele und Vorstellungen von unterschiedlichen Stakeholdern eines Familienunternehmens, die sich über einen Zeitraum von einem Jahr nur selten in Einklang bringen lassen, letztlich über einen längeren Zeithorizont von mehr als 10 Jahren zu gemeinsamen Interessen vereint werden können. Krisenfester macht das Familienunternehmen auch seine oft vorteilhafte Kapitalstruktur und Finanzierung, Im Durchschnitt arbeitet es mit höheren Eigenkapitalquoten und oftmals mit höheren Gewinnen als deutsche Großkonzerne. Der Mittelstand und besonders das Familienunternehmen haben in der Regel niedrigerer Kapitalkosten und haften wie im Fall des geschäftsführenden Gesellschafters persönlich. Ein vorsichtigerer Umgang mit Risiken ist deshalb die logische Folge. Eine Gefährdung von Unternehmen und Familie wäre jeweils fahrlässig. Eine eher langfristige Geschäftspolitik, ein bewährtes Geschäftsmodell, das nicht auf kurzfristige Erfolge setzt, ermöglicht auch Innovationen beharrlich voranzutreiben, Investitionsprojekte mit einer längeren Perspektive anzugehen und nicht auf schnelle und riskante Markteintritte und Markterfolge zu spekulieren. Krisen erfordern schnelle Entscheidungen und Umsetzungen. Gerade Familienunternehmen zeichnen sich oft durch kürzere Entscheidungswege aus. In Familienunternehmen findet man daher beides, schrittweise und radikale Innovations- und Investitionsentscheidungen, besonders wenn Leitung und Eigentum in einer Hand vereint sind.

Nicht nur in Krisen sollten Unternehmensleitung und Mitarbeiter einen starken Zusammenhalt aufweisen, der erst eine gemeinsame Krisenbewältigung ermöglicht. Familienunternehmen sind bei einer mitarbeiterorientierten Krisenbewältigung oft im Vorteil. Ein erfolgreiches Geschäftsmodell, eine gemeinsame Vision und eine starke Bindung an tradierte, von Generation zu Generation weitergebene Werte sind dabei entscheidende Faktoren. Oft gibt es eine mitarbeiterorientierte Unternehmenskultur, die auch vom Unternehmereigentümer vorgelebt wird. Viele Familienunternehmen vermitteln Werte, die attraktiv sind für langfristige Mitarbeiter-Bindung an das Unternehmen wie Arbeitsatmosphäre, eigenverantwortliches Arbeiten, flache Hierarchien, Karriereperspektiven, eine sichere Anstellung und gesunde Work-Life-Balance.

Somit prägen Familienunternehmen mit erfolgreich bewährten Geschäftsmodellen ganz wesentlich den Wirtschaftsstandort Deutschlands und seine mittelständische Struktur.

Ob die aufgeführten Stärken allerdings in der aktuellen Corona Krise als Lösungswege ausreichen, darf bezweifelt werden. Anders als die Finanzkrise 2008, die mit hergebrachtem Krisenmanagement bewältigt werden konnte, stellt Corona unsere Wirtschaft vor ganz neue Herausforderungen. Einzelne Märkte, Kunden und Lieferstrukturen drohen wegzubrechen und ganze Branchen stehen vor kompletten Umbrüchen. Nicht alle mittelständischen Unternehmen der Automobilindustrie und des Maschinenbaus werden beispielsweise überleben. Gerade der Mittelstand sieht sich mit für ihn bisher noch unbekannten Herausforderungen konfrontiert.

Lediglich Restrukturierungsansätze der Vergangenheit scheiden als Lösungsansätze aus. Corona zeigt im besonderen Maße die Schwachstellen und strukturellen Defizite der Unternehmen auf. Jedes Unternehmen muss heute gerade erfolgreich bewährte Geschäftsmodelle auf den Prüfstand stellen und seine Strategien, Organisationsstrukturen und Ressourcen hinterfragen. Nur eine strategische Business Transformation, die bewährte Methoden der klassischen Sanierung mit einem Strategieentwicklungsprozess mit dem Ziel der Definition eines neuen Geschäftsmodells mit Wettbewerbsvorteilen und einer wettbewerbsfähigen Organisation zum Ziel hat, kann hier auch für den Mittelstand den richtigen Weg in die Zukunft weisen. Dabei ist sofortiges Handeln angesagt. Ein Aussitzen der Krise und das Vertrauen in Staat und Erfolgsrezepte der Vergangenheit dürften zu kurz greifen. Die Beharrlichkeit und das eiserne Festhalten an Bewährtem – eine ursprüngliche Stärke von Mittelstand und Familienunternehmen – kann jetzt in der Corona Krise zur absoluten Schwäche werden.

Resümee

Starke unternehmerisch wirkende Eigentümer von mittelständischen Unternehmen mit dem Mut für neue Geschäftsmodelle und eine strategische Business Transformation, werden die Krise erfolgreich bewältigen können und gestärkt hieraus herauskommen.

Verfasst von Dr. Thomas Forster

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